Rory in S1 bis S8 [S8-Spoiler]
#1
Über Lorelais Tochter wird gerade im Netz viel geschimpft. Es gibt fast einen gewissen Hass, was für ein schlechter Mensch sie doch sei. Ich weiß nicht, ob das Hassbedürfnis in den USA gerade besonders groß ist. President-elect lässt grüßen. Ich finde schon, dass sich Rory seit ihrer Schulzeit verändert hat. Damals war sie das brave, fast perfekte Mädchen. Nun darf man sich ja verändern, und eine Serienfigur sollte sich sogar verändern. Eigentlich hat Rory im Revival die Veränderung, die ungefähr mit Logan begonnen haben muss, nur fortgesetzt. Oder täusche ich mich da?
 
Sie umgibt sich mit wohlsituierten jungen Männern, gibt sich in dieser Situation auch sehr kompromissbereit (Odette!). Ganz anders als zu Dean-Zeiten, als sie sehr anspruchsvoll war und nicht nur Beachtung und Würdigung von ihm erwartete, sondern auch noch die richtige Dosierung (zu oft anrufen sollte er nicht). Jess hat sie es nicht lange durchgehen lassen, dass er sich nicht gemeldet hat. Spätestens beim einseitigen Telefonat nach dem Chilton-Abschluss hat sie ihm doch irgendwie den Laufpass gegeben, oder?
 
Aber vielleicht ist ja auch die These richtiger als meine schnellen Gedanken, dass Rory im Revival eine rückläufige Entwicklung durchläuft, gegenüber der Frau, zu der sie in S4 bis S7 geworden ist. Irgendwie muss ich mir da wohl noch ein Urteil bilden über die zweite Hauptfigur der Serie. Was für ein Mensch ist Rory Gilmore?
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#2
Oh, diesen Post hatte ich gar nicht gesehen (bei Fluten geht auch manchmal was unter!)...

Ich habe mir auch sehr viele Gedanken über Rory gemacht und irgendwie habe ich mir meine Meinung immer noch nicht hundertprozentig gebildet.... Es wird wirklich ziemlich viel Negatives über sie geschrieben, bzw. wie Amy es denn zulassen kann, so eine Rory zu schreiben.

Also ich finde bei Kritik an ihrer storyline muss man unterscheiden: ist man einfach nur nicht zufrieden mit ihrer Entwicklung, weil man
1. es sich anders gewünscht hätte oder
2. weil es unrealistisch ist oder
3. weil es "out of character" ist, also sie sich anders verhält als es eigentlich ihr Charakter ist.

Zu 2: Ich finde es schon realistisch, dass eben nicht alles glatt läuft im Leben. Ein guter Uniabschluss heißt nicht, dass man auch einen tollen Job findet. Also ich finde alles realistisch.
Zu 1: ich hätte mir zwar gewünscht, dass Rory Erfolg im Beruf hat und in einer glücklichen Beziehung ist, aber es ist eben kein Wunschkonzert, und so funktionieren Serien auch nicht, weil es dann langweilig wäre. Ich finde außerdem, dass sie gar nicht wirklich unglücklich wirkt, also z.B. sieht man sie nicht einmal weinen, obwohl viel mehr schief geht als in den alten Folgen.
Zu 3: darüber habe ich am meisten nachgedacht und ich bin da geteilter Meinung. Ich finde sie ist in gewisser Weise nicht mehr so ernsthaft wie früher: sie hatte früher immer klare Ziele vor Augen und hat dann super hart gearbeitet, um diese Ziele zu erreichen. Und das scheint jetzt nicht mehr so zu sein (sie sagt ja im Winter, dass sie es mag, sich so treiben zu lassen usw). Das finde ich, passt überhaupt nicht zu ihr, so war sie auch nicht in Staffel 7. Da hatte sie ja auch einen meltdown, als sie nicht wusste, wie es nach der Uni weitergeht (mit Olivia und Lucy). Und sie hat hart für einen guten Abschluss gearbeitet. Und jetzt scheint sie sich teilweise überhaupt keine Mühe zu geben, z.B. geht sie unvorbereitet zu dem Gespräch von Sandy Says, schläft bei Interviews in New York ein usw. Früher hätte sie nicht einfach den Sommer entspannt in Stars Hollow verbracht, sondern eine Liste gemacht mit Dingen, die sie voranbringen und wie es weitergehen soll (wie am Anfang der 2. Staffel, als sie bei dem Haus-Bau-Projekt merkt, dass sie schlecht auf Harvard vorbereitet ist). Also das finde ich passt nicht zu Rory, diese entspannte Haltung und sich so wenig anzustrengen.
Andererseits kann man es auch so sehen, dass die Entwicklung, wie sie jetzt passiert ist, eigentlich schon vorher geplant war bzw. sich angedeutet hat und man Rory immer überschätzt hat als Zuschauer oder falsch gesehen hat. Z.B. hat Paris mal gesagt, dass Valedictorians (ich weiß nicht, wie das auf deutsch heißt) später im Leben Probleme haben werden, und genau das ist passiert! Mitchum Huntzberger hat gesagt, dass Rory nicht das Zeug zur Journalistin hat, und genau das ist passiert. Damals dachte man natürlich, hey was für ein Arsch, natürlich hat er nicht recht. Aber jetzt im Nachhinein muss man zugeben, dass er recht hatte!
Was auch nicht zu ihr passt, ist ihre moralische Haltung, also z.B. was Paul angeht und ihre Beziehung zu Logan. Früher war sie immer absolut "politisch korrekt" und hat eigentlich nie etwas unmoralisches gemacht, hatte immer sehr viel Empathie mit anderen und hätte niemals jemanden so behandelt wie Paul. Ok, Paul ist halt "nur" ein Running Gag, aber trotzdem. Und sie wollte mit Logan keine "offene Beziehung", weil sie ja ziemlich darunter gelitten hat (Staffel 5). Und jetzt ist das kein Problem mehr? Das finde ich nicht so logisch.
Was gleich geblieben ist, ist dass Rory mit Kritik und Rückschlägen nicht gut umgehen kann. Damals war sie von schlechten Noten verunsichert, von Mitchums Kritik völlig aus der Bahn geworfen usw. Und jetzt kann sie mit der Kritik bei dem Sandy Says Interview eigentlich auch nicht umgehen und dass Lorelai von ihrer Buchidee nicht begeistert ist, bringt sie auch ziemlich durcheinander. Aber gut, immerhin gibt sie dort nicht auf und fängt einfach an das Buch zu schreiben. Also zum Ende hin verändert sie sich etwas in dieser Hinsicht.
Was Rory am meisten ausmacht, finde ich, ist, dass sie ständig so sein will wie Lorelai. Darauf werden auch öfter mal Anspielungen gemacht, schon im Piloten sagt Luke zu ihrer Kaffee-Gewohnheit: you don't want to grow up to be like your mom und sie antwortet "too late" oder sowas. Dann gibt es die Chilton-Abschlussrede, wo Rory sagt, dass ihre Mutter ihr großes Vorbild ist. Und jetzt scheint sie, genauso wie Lorelai, ihr Kind alleine aufziehen zu wollen. Dabei ist sie eigentlich ganz anders als Lorelai, finde ich. Lorelai ist eine starke und unabhängige Persönlichkeit, die gut alleine klar kommt und immer weiß, was zu tun ist und sich selbst aus Problemen rauszieht. Rory scheint mir sehr von anderen abhängig und löst große Probleme meist mit Hilfe anderer (meistens Lorelai, manchmal auch Jess). Lorelai zieht alleine in die Wildnis und findet Lösungen, Rory braucht den Anstoß von Jess, das Buch zu schreiben.  Lorelai hasst die Welt der Reichen, Rory findet diese Welt anscheinend ganz anziehend (Logan, LDB). Also auf mich wirkt es so, als ob Rory immer so sein will wie Lorelai, aber gar nicht merkt, dass das nicht zu ihr passt, weil sie einfach ganz anders ist.
Aber zumindest auch das "Alleine-Probleme-Lösen" kriegt sie am Ende hin, weil sie den Entschluss, wie sie mit dem Kind umgeht, alleine fällt, ohne irgendjemanden zu Rate zu ziehen. Also es wirkt jedenfalls so, als ob sie einen Plan hat und als ob sie den Vater auf Abstand halten will, aber genau weiß man es natürlich nicht, weil es dann endet.

Insgesamt finde ich, dass ihr Charakter extrem reift innerhalb der vier Folgen. Vielleicht wird ihr vieles klar, weil sie das Buch schreibt? Da denkt sie dann vielleicht genauer über sich und ihre Beziehung zu Lorelai nach und ihr wird klar, dass es keinen Sinn hat so sein zu wollen wie ihre Mutter, sondern dass sie ihren eigenen Weg finden muss? Oder das Gegenteil, dass sie doch so sein will wie Lorelai und deshalb das Kind alleine großzieht und diese Entscheidung alleine trifft.

Tut mir leid, dass ich jetzt so viel geschrieben habe, aber Rory's Charakter und ihre Geschichte sind so komplex, dass ich es echt schwer finde, zu einer Meinung zu kommen....
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